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Saarbrücken, 18. November 2019: Auszeichnung „MINT-freundliche Schulen“ und „Digitale Schulen“ im Saarland.



Veranstaltungen


Ethik in der Wissenschaft

Datum:19.11.2019
19:30

Fake News & Deep Fakes: Informatik in der Verantwortung?

 Nov2019-Baum.pdf


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Vortragstitel: "Der steinige Weg hin zu neuen Antibiotika: Wie Bioinformatik und Genomanalytik die Suche nach Wirkstoffen aus Mikroorganismen revolutionieren"

am Di, 22.10.2019 ab 19:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos

im ehemaligen Konsumgebäude Alte Schmelz 64, 66386 St. Ingbert

Koordination: Prof a. D. Dr. – Ing. Horst Altgeld | Kontakt: horst.altgeld@mintcampus.de

Referent: Prof. Dr. Rolf Müller,
Helmholtz Institut für pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und Universität des Saarlandes, Pharmazie

Antibiotika-Resistenzen stellen eine große Herausforderung bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten dar. Sie werden häufig unter dem Oberbegriff Antimikrobielle Resistenz oder kurz AMR zusammengefasst. Übermäßige und unsachgemäße Nutzung von Antibiotika, sowie unzureichende Infektionskontrolle haben AMR zu einem weltweiten Problem werden lassen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet AMR mittlerweile als eine der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Entwicklung. Um diesem Problem entgegen zu wirken, werden dringend neuartige, resistenzbrechende Antibiotika benötigt. Ohne die Verfügbarkeit wirksamer Antibiotika wären neben der Behandlung von Infektionen auch moderne medizinische Errungenschaften wie Transplantationen, Knochenmarkspenden oder Chemotherapie nicht oder zumindest nur noch in signifikant reduziertem Maße durchführbar.

Wissenschaftler am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) beschäftigen sich intensiv mit der Suche nach neuartigen Wirkstoffen, um ein solches Szenario abzuwenden. In der Abteilung „Mikrobielle Naturstoffe“ wird hierzu vor allem an einer besonderen Art von Bodenbakterien, den Myxobakterien, geforscht. Diese räuberischen Bakterien produzieren eine Vielzahl unterschiedlicher Naturstoffe, welche
sie verwenden um andere Mikroorganismen zu überwältigen und anschließend als Nahrungsquelle zu verwenden. Aus diesem Grund stellen die Myxobakterien eine vielversprechende Quelle neuer und im Laufe der Evolution optimierter chemischer Strukturen dar, welche potentiell zu Antibiotika weiterentwickelt werden können. Mit dem Ziel neue Substanzen aufzuspüren werden Myxobakterien aus Bodenproben
isoliert, bakterielle Genome sequenziert und anschließend mit Hilfe bioinformatischer und analytische-chemischer Methoden auf das Vorhandensein von bislang unbekannten Biosynthesegenen und deren Produkten hin analysiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen,
aktivitätsgeleiteten Verfahren, bietet diese Methode den Vorteil, dass vielversprechende Produzenten frühzeitig identifiziert werden können. Zudem ist es möglich bekannte Naturstoff-Biosynthesegene so zu verändern, dass neuartige Substanzen mit verbesserten Eigenschaften produziert werden. Im Rahmen des Vortrages wird anhand aktueller
Beispiele erläutert, wie moderne Entwicklungen der Mikrobiologie, Analytik, Genetik sowie Bioinformatik und Genomanalytik Hand in Hand gehen und in den letzten zwei Jahrzehnten die Suche nach neuen Naturstoffen revolutioniert haben.

Rolf Müller studierte Pharmazie an der Universität Bonn – Abschluss 1990. 1991 Approbation als Apotheker. 1994 Promotion an der Universität Bonn –Abt. Pharmazeutische Biologie und Postdoc an gleicher Stelle. 1996-1997 Postdoc an der Uni Washington in Seattle (Antibiotika- Biosynthese). 1998 – 2003 Nachwuchsgruppenleiter Ges. für Biotechnologische Forschung Braunschweig und wiss. Mitarbeiter an der TU Braunschweig. 2000 Habilitation an der TU Braunschweig (Molekularbiologie der Antibiotika-Biosynthese in Actinomyceten und Bakterien). Ablehnung mehrerer Rufe an die Unis Greifswald, Halle, Braunschweig.
Seit 2003 Professur für Pharmazeutische Biotechnologie an der Universität des Saarlandes.
Seit 2009 parallel Geschäftsführender Direktor des Helmholtz‐Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und Leiter der Abteilung „Mikrobielle Naturstoffe“.

Wissenschaftliche Ehrungen und Preise, Ehrenämter u.ä. :
2001, 2007, 2016 Phoenix Pharmazie Wissenschaftspreis
2002 und 2010 Dechema Preise
2003 Bio Future Preis des BMin Bildung und Forschung
2008 -2014 Vorsitz DECHEMA Ausschuss Niedermolekulare Naturstoffe mit biolog. Aktivität
2012 gewähltes Mitglied acatech (Dt. Akademie der Technikwissenschaften)
2014 Honorardirektor des Helmholtz joint Institute for Biotechnology an Univ. Shandong
2016-2017 Lecturer an der University of Illinois und Gastwissenschaftler in Japan
2016 Aufnahme in die Nat. Akademie der Wissenschaften – Leopoldina
2016 Koordinator „Neue Antibiotika“ beim Dt. Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
2017 wiss. Beirat KIST Europe
2018 Inhoffen Medaille Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung und TU Braunschweig


Einladung zur öffentlichen Veranstaltung | kostenfrei 

Am Dienstag, den 19. November 2019 ab 19:30 Uhr
Im ehemaligen Konsum, Alte Schmelz 64 (ggü. der alten Möllerhalle) 

Koordination: Prof a. D. Dr. - Ing. Horst Altgeld 
Kontakt: horst.altgeld@mintcampus.de 

Ethik in der Wissenschaft 

Fake News & Deep Fakes: Informatik in der Verantwortung? 

am Di, 19.11.2019 ab 19:30 Uhr, der Eintritt ist kostenlos

im ehemaligen Konsumgebäude Alte Schmelz 64, 66386 St. Ingbert

Referent: Kevin BaumLehrstuhl für Praktische Philosophie und Gruppe für zuverlässige Systeme und Software, Universität des Saarlandes, Saarbrücken 

Die Gesellschaft von morgen wird entscheidend von den Errungenschaften der Informatik von heute geprägt. Welche Verantwortung ergibt sich daraus für die Informatiker? Und wie kann ein Wissenschaftler und Entwickler dieser Verantwortung gerecht werden? Wenn selbstfahrende Autos auf unseren Straßen fahren sollen, wenn Social Bots Inhalte im Internet verbreiten und wenn Künstliche Intelligenz zum Werkzeug zur Genese von Fake News wird, dann kommt die Informatik nicht umhin, sich gesellschaftliche und ethische Fragen stellen zu lassen und selbst zu stellen. 

Welche Grundprobleme stellen sich für Informatiker als Wissenschaftler? Wie geht man mit konkreten, realen Problemen und Interessenkonflikten um? Wie vermittelt man moralische Kompetenz schon im Studium? Kevin Baum berichtet von seinen Erfahrungen mit der Vorlesung Ethics for Nerds, der saarländischen Antwort auf letztgenannte Frage, und diskutiert die übrigen Fragen anhand konkreter Beispiele. 

Zum Referenten:

Kevin Baum erlangte seinen Master of Science in Informatik 2013 und einen Master of Arts in Philosophie 2014 an der Universität des Saarlandes. Seitdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter dieser beiden Fachrichtungen und promoviert in ihnen. Zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Holger Hermanns von der Gruppe für zuverlässige Software und Systeme der Universität des Saarlandes entwickelt Baum seit 2015 die 2019 vom Stifterverband ausgezeichnete Vorlesung Ethics for Nerds, die überregional Aufmerksamkeit erlangte. Die jährlich stattfindende Vorlesung führt Informatikstudierenden die ethischen Dimensionen der Forschung und Entwicklung im Bereich Informatik vor Augen und vermittelt moralphilosophische Grundkompetenzen.
Baums Forschung widmet sich einerseits Fragen der individuellen Verantwortung in kollektiven Kontexten wie dem Klimawandel – oder eben der Verantwortung eines Wissenschaftlers im Kontext des gesamten Wissenschaftsbetriebs –, andererseits aber auch Fragen der Implementierung von Moral und Erklärbarkeit in künstlichen Systemen, der sogenannten Maschinenethik und Maschinenenerklärbarkeit.
Obwohl selbst noch Doktorand schob Baum 2018 das von der Volkswagen Stiftung geförderte Projekt „Explainable Intelligent Systems“ (EIS) an und brachte Wissenschaftler aus vier Fakultäten der Universität des Saarlandes – Philosophie, Informatik, Psychologie und Rechtsinformatik – zusammen.
 Seine Expertise machte Baum in den letzten Jahre zunehmend zu einem gefragten Redner, Interviewpartner und Berater. Zusammen mit anderen Nachwuchswissenschaftlern aus dem Umfeld der Universität gründete Baum Mitte dieses Jahres ALGORIGHT, den saarländischen Think Tank für gute Digitalisierung. 

Koordination: Prof a. D. Dr. - Ing. Horst Altgeld 
Kontakt: horst.altgeld@mintcampus.de

MINT-Campus Alte Schmelz e.V. Wissenschaftsforum | In Kooperation mit Initiative Alte Schmelz e.V. & der Stadt St. Igbert (Bereich Bildung) | Koordination: Prof. a. D. Dr. - Ing. Horst Altgeld | Kontakt: horst.altgeld@mintcampus.de | Ort: ehem. Konsum, Alte Schmelz 64 (ggü. der alten Möllerhalle)